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Tech-Trends aus Großbritannien 2026: Was UK-Nutzer bei Apps, Bezahlen und Smart Home anders machen

· 10 Min. Lesezeit

Die Tech-Trends in Großbritannien 2026 zeigen vor allem beim mobilen Bezahlen, bei der täglichen App-Nutzung und bei digital gesteuerten Energiesystemen deutliche Unterschiede zu Deutschland. Britische Verbraucher verwenden Wallets wie Apple Pay und Google Pay wesentlich häufiger, verbringen mehr Zeit online und leben öfter in Haushalten, deren Strom- oder Gasverbrauch über Smart Meter automatisch erfasst wird, wie die Redaktion von Techify.de unter Berufung auf aktuelle Daten von yourashford.

Der Vergleich zeigt jedoch keine einfache Teilung in ein technologiefreundliches Großbritannien und ein zurückhaltendes Deutschland. Deutsche Smartphone-Nutzer haben ähnlich viele Apps installiert, verwenden zunehmend mobile Bezahldienste und setzen Smart-Home-Technik in fast jedem zweiten Haushalt ein. Der Unterschied liegt stärker darin, welche digitalen Anwendungen bereits zum selbstverständlichen Bestandteil des Alltags geworden sind und welche analogen Alternativen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Mobile Wallets gehören in Großbritannien bereits zum normalen Bezahlen

Der deutlichste Unterschied betrifft das Bezahlen an Ladenkassen. Nach dem Bericht „UK Payment Markets 2025“ wurden 2024 in Großbritannien fast 49 Milliarden Zahlungen registriert. Die Debitkarte blieb mit 26,1 Milliarden Transaktionen das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel. Zugleich entfielen 18,9 Milliarden Zahlungen auf kontaktlose Debit- und Kreditkarten.

Die größere Veränderung fand innerhalb des kontaktlosen Bezahlens statt: Die Hälfte der britischen Erwachsenen nutzte 2024 regelmäßig Dienste wie Apple Pay oder Google Pay. Ein Jahr zuvor hatte der Anteil noch bei ungefähr einem Drittel gelegen. UK Finance bezeichnete dies als das erste Jahr, in dem regelmäßige Nutzer mobiler Zahlungen die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung erreichten.

Jana Mackintosh, Managing Director für Payments and Innovation bei UK Finance, beschrieb die Entwicklung mit den Worten: „The transformation of the UK payments industry continues at pace“ (im Vorwort des Berichts „UK Payment Markets 2025“).

Für den britischen Zahlungsalltag sind damit vor allem drei Entwicklungen prägend:

  • Smartphones und Smartwatches ersetzen bei immer mehr Einkäufen die physische Bankkarte.
  • Kleine Händler können Kartenzahlungen zunehmend über Smartphones oder Tablets akzeptieren.
  • Mobile Banking und das britische Faster-Payments-System werden auch für Überweisungen im Alltag genutzt.

UK Finance meldete außerdem, dass 75 Prozent der Erwachsenen Mobile Banking verwendeten. „Buy now, pay later“-Dienste legten innerhalb eines Jahres von 14 auf 25 Prozent der britischen Erwachsenen zu. Damit wachsen neben klassischen Wallets auch digitale Raten- und Aufschubzahlungen.

Deutschland zahlt digitaler, hält aber stärker am Bargeld fest

Auch in Deutschland setzte sich der Trend zu unbaren Zahlungen fort. Die im Juni 2026 veröffentlichte Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ der Deutschen Bundesbank zeigt erstmals, dass mehr als die Hälfte aller erfassten Alltagszahlungen bargeldlos erfolgte. Der Anteil lag bei 55 Prozent, nach 49 Prozent in der vorherigen Untersuchung von 2023.

Das Smartphone ist an deutschen Kassen dennoch weniger dominant als im Vereinigten Königreich. Mobile Verfahren machten 2025 zehn Prozent aller erfassten Zahlungsvorgänge aus. 36 Prozent der Befragten hatten mindestens einmal mit einem Smartphone, einer Smartwatch oder einem Fitnessarmband bezahlt. Unter den mobilen Bezahldiensten führte Apple Pay mit 41 Prozent der Mobilzahlenden vor Google Pay und bankeigenen Apps.

In Großbritannien ist die mobile Wallet bereits für die Hälfte der Erwachsenen ein regelmäßig verwendetes Zahlungsmittel. In Deutschland entfällt bislang jeder zehnte erfasste Bezahlvorgang auf mobile Verfahren.

Bargeld blieb in Deutschland nach der Anzahl der Transaktionen das am häufigsten eingesetzte einzelne Zahlungsmittel. Es wurde bei 45 Prozent der untersuchten Alltagszahlungen verwendet. Im britischen Markt sank der Bargeldanteil dagegen 2024 von zwölf auf neun Prozent; die Zahl der Barzahlungen ging von sechs auf 4,4 Milliarden zurück.

Die Bundesbank hält in ihrer Zusammenfassung fest: „Der Anteil mobiler Zahlungen steigt weiter stark an“ (Studie zum Zahlungsverhalten, veröffentlicht am 17. Juni 2026). Gleichzeitig bevorzugten 26 Prozent der deutschen Befragten Bargeld, und durchschnittlich trugen sie 98 Euro im Portemonnaie.

Der Unterschied ist deshalb nicht allein technisch. Deutsche Verbraucher verbinden Bargeld laut Bundesbank weiterhin mit Datenschutz, Ausgabenkontrolle und zuverlässiger Zahlungsabwicklung. 80 Prozent hielten es für wichtig, dass Barzahlungen in Deutschland grundsätzlich möglich bleiben.

Britische Nutzer verbringen täglich viereinhalb Stunden online

Bei Apps unterscheiden sich die beiden Länder weniger stark, als die Zahlungsdaten vermuten lassen. Der britische Medienregulierer Ofcom ermittelte für Mai 2025, dass erwachsene Smartphone-Nutzer im Vereinigten Königreich durchschnittlich 41 Apps innerhalb eines Monats verwendeten. Im Mai 2024 waren es 38 gewesen.

Die aktivste Gruppe waren die 25- bis 44-Jährigen mit durchschnittlich 46 genutzten Apps. Menschen ab 65 Jahren kamen auf 31 Apps. Frauen verwendeten im Monatsdurchschnitt 42 Anwendungen, Männer 40.

WhatsApp erreichte 92 Prozent der erwachsenen britischen Smartphone-Nutzer. Facebook kam auf 85 Prozent und Google Maps auf 77 Prozent. TikTok erreichte 46 Prozent der erwachsenen Smartphone-Nutzer; bei den 18- bis 34-Jährigen lag die Reichweite bei 65 Prozent.

Zugleich verbrachten britische Erwachsene durchschnittlich vier Stunden und 30 Minuten pro Tag online. Mehr als die Hälfte dieser Zeit entfiel auf Angebote der Konzerne Meta und Alphabet. Meta-Dienste kamen im Mittel auf eine Stunde und zehn Minuten täglich, Alphabet-Dienste auf eine Stunde und sieben Minuten.

Ofcom fasste die Entwicklung mit der Formulierung zusammen: „We’re spending even more time online as a nation“ (Mitteilung zum Bericht „Online Nation 2025“ vom 10. Dezember 2025).

Deutsche installieren ähnlich viele Apps, nutzen sie aber nicht zwingend monatlich

Nach einer Bitkom-Erhebung befinden sich auf deutschen Smartphones durchschnittlich 42 Apps. Nutzer unter 30 Jahren haben etwa doppelt so viele Anwendungen installiert wie Menschen ab 65 Jahren. Der deutsche App-Markt sollte 2025 ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro erreichen.

Die Zahlen sind allerdings nicht direkt identisch messbar. Ofcom zählt Apps, die britische Nutzer innerhalb eines Monats tatsächlich aufrufen. Bitkom erfasst die auf deutschen Smartphones installierten Anwendungen. Eine installierte App kann über längere Zeit ungenutzt bleiben.

Bitkom zufolge löscht nur jeder zehnte Smartphone-Nutzer in Deutschland ungenutzte Apps regelmäßig. Weitere 39 Prozent tun dies zumindest gelegentlich. 44 Prozent entfernen nicht verwendete Anwendungen nur selten, fünf Prozent nie.

Der belastbare Unterschied liegt daher weniger in der reinen App-Zahl als in der Nutzungsintensität. Großbritannien weist eine hohe tägliche Onlinezeit und eine starke Konzentration auf WhatsApp, Facebook, Google Maps und YouTube auf. Deutschland erreicht bei der Anzahl installierter Anwendungen ein ähnliches Niveau, ohne dass daraus automatisch eine gleich hohe monatliche Nutzung folgt.

KI-Apps erreichen in Großbritannien bereits die Mehrheit der Erwachsenen

Ein weiterer Tech-Trend aus UK ist die breite Nutzung generativer KI. Im April 2026 meldete Ofcom, dass 54 Prozent der britischen Erwachsenen KI-Dienste wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini verwenden. Bei den 16- bis 24-Jährigen lag der Anteil bei 79 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen bei 74 Prozent.

Rund zwölf Prozent der KI-Nutzer setzten solche Dienste für Gespräche oder digitale Begleitung ein. Unter den 25- bis 34-Jährigen erreichte dieser Nutzungszweck 19 Prozent. Die britische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde CMA stellte im März 2026 fest, dass KI bereits in Suche, Empfehlungen, Betrugserkennung, Kundenservice und Entscheidungshilfen eingebettet ist.

Auch in Deutschland wird Smartphone-KI häufiger verwendet. Nach Bitkom nutzten im Februar 2026 bereits 38 Prozent der Befragten KI-Funktionen auf dem Smartphone regelmäßig. Ein Drittel wäre bereit, für bessere KI-Funktionen beim nächsten Gerät mehr zu bezahlen.

Die verfügbaren Erhebungen zeigen damit einen Vorsprung Großbritanniens bei der allgemeinen Nutzung von KI-Diensten, während Deutschland vor allem bei direkt im Smartphone integrierten KI-Funktionen aufholt.

Smart Meter prägen das britische Smart Home stärker als in Deutschland

Beim Smart Home verfolgt Großbritannien einen stark energiebezogenen Ansatz. Ende März 2025 waren dort nach Regierungsangaben 39 Millionen intelligente oder technisch erweiterte Strom- und Gaszähler in Haushalten und kleinen Unternehmen installiert. 67 Prozent aller Zähler waren Smart Meter oder Advanced Meter; 91 Prozent der intelligenten Zähler arbeiteten tatsächlich im Smart-Modus.

Die britische Regierung verlängerte den politischen Rahmen für den Einbau und setzte das Ziel, den Ausbau in privaten Haushalten bis Ende 2030 abzuschließen. Smart Meter liefern Verbrauchsdaten automatisch an den Energieversorger und können Haushalten in Verbindung mit einem Display oder einer App den aktuellen Energieverbrauch anzeigen.

In Deutschland ist Smart Home ebenfalls weit verbreitet, wird aber häufiger über einzelne Haushaltsgeräte definiert. Laut Bitkom verwendeten 2024 bereits 46 Prozent der Menschen mindestens eine Smart-Home-Technologie.

2022 waren es 43 Prozent, 2020 erst 37 Prozent. Zu den verbreiteten Anwendungen gehören intelligente Lampen, Heizkörperthermostate, Staubsaugerroboter, Sicherheitskameras und Mähroboter.

Die unterschiedlichen Schwerpunkte lassen sich so zusammenfassen:

  • Großbritannien verbindet das vernetzte Zuhause stark mit Smart Metern, dynamischer Verbrauchserfassung und digitaler Energieverwaltung.
  • Deutschland weist eine hohe Nutzung einzelner Smart-Home-Produkte auf, besonders bei Beleuchtung, Heizung, Reinigung und Sicherheit.
  • In beiden Märkten gewinnen gemeinsame Plattformen und kompatible Geräte an Bedeutung, weil Haushalte Produkte verschiedener Hersteller kombinieren.

Kent zeigt, wie digitale Technik lokal eingesetzt wird

Die Grafschaft Kent bildet mehrere landesweite Entwicklungen auf regionaler Ebene ab. Kent County Council und Medway Council finanzierten beispielsweise ein Programm, in dem Beschäftigte der Sozialpflege im Umgang mit digital unterstützenden Technologien geschult wurden. Das Projekt sollte technische Hilfsmittel stärker in die praktische Betreuung integrieren.

In Margate eröffnete 2026 zudem ein Digital Campus, der junge Menschen auf Berufe in der Kreativ- und Technologiebranche vorbereitet. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen der EKC Group und dem Thanet District Council und wurde von der britischen Regierung finanziert.

Die University of Kent beteiligt sich zugleich an Projekten zu Cybersicherheit, KI und Robotik. Im Juni 2026 wirkten Forschende des Institute of Cyber Security for Society an einer Fernsehserie mit, die Jugendlichen Wissen über KI, digitale Risiken und Cybersicherheit vermitteln soll. Weitere News aus Kent und Großbritannien veröffentlicht das offizielle Nachrichtenportal des Kent County Council.

Diese Beispiele zeigen, dass die britischen Technologietrends nicht nur von Londoner Finanzunternehmen oder internationalen Plattformen geprägt werden. Digitale Pflege, berufliche Qualifizierung und öffentliche Dienste werden auch auf Ebene der Grafschaften praktisch umgesetzt.

Was deutsche Nutzer aus dem britischen Markt erwarten können

Der britische Markt liefert einen frühen Hinweis darauf, welche Anwendungen auch in Deutschland häufiger werden dürften. Dazu gehören die Bezahlung per Smartphone oder Smartwatch, die direkte Einbindung von Banking-Funktionen in Apps sowie eine stärkere Verbindung zwischen Smart Home, Energieverbrauch und automatisierten Tarifen.

Großbritannien arbeitet außerdem an neuen Regeln für mobile Plattformen. Die britische Competition and Markets Authority schlug Ende Juni 2026 vor, dass App-Entwickler Nutzer leichter auf alternative Bezahlmöglichkeiten außerhalb der App-Stores von Apple und Google verweisen dürfen. Bei Apple prüft die Behörde außerdem einen erweiterten Zugang zur NFC-Technik des iPhones für konkurrierende Zahlungsangebote.

Damit könnten britische Nutzer künftig mehr Auswahl bei Wallets, In-App-Zahlungen und konto­basierten Bezahldiensten erhalten. Deutschland unterliegt in diesen Bereichen den gemeinsamen Regeln der Europäischen Union, darunter dem Digital Markets Act und den europäischen Vorgaben für digitale Identitäten und Zahlungsdienste.

Die aktuellen Daten ergeben ein klares Bild: Großbritannien ist beim regelmäßigen Einsatz mobiler Wallets, bei der täglichen Onlinezeit und beim flächendeckenden Smart-Meter-Ausbau weiter. Deutschland liegt bei installierten Apps und klassischen Smart-Home-Geräten auf einem vergleichbaren Niveau, behält aber eine stärkere Bargeldkultur und einen stärker produktbezogenen Zugang zum vernetzten Zuhause.

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