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Anruf mit deutscher Nummer: Wie Betrüger aus dem Ausland Call-ID-Spoofing einsetzen

· 11 Min. Lesezeit

Ein Anruf mit deutscher Nummer bedeutet nicht automatisch, dass der Anrufer tatsächlich aus Deutschland telefoniert oder Inhaber dieser Nummer ist. Beim sogenannten Call-ID-Spoofing manipulieren Täter die übermittelte Absenderkennung, sodass auf dem Display eine deutsche Mobilfunknummer, eine Ortsnetznummer oder sogar die echte Telefonnummer einer Behörde erscheint. Die eigentliche Verbindung kann aus einem ausländischen Netz stammen oder über ausländische Telefonnetze nach Deutschland geleitet worden sein, wie die Techify unter Berufung auf die Bundesnetzagentur berichtet.

Die angezeigte Nummer ist deshalb kein zuverlässiger Identitätsnachweis. Hinter dem Anruf können Täter stehen, die sich als Bankmitarbeiter, Polizisten, Staatsanwälte, Beschäftigte eines Zahlungsdienstes oder Angehörige ausgeben. Ihr Ziel ist meist, die angerufene Person unter Zeitdruck zur Herausgabe von Zugangsdaten, PIN, TAN, Kontoinformationen, Bargeld oder Wertsachen zu bewegen. Bei Schockanrufen wird häufig zusätzlich behauptet, ein naher Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht oder müsse gegen eine sofortige Zahlung vor einer Haft bewahrt werden.

Was Call-ID-Spoofing technisch bedeutet

Bei einem normalen Telefonanruf wird neben der Sprachverbindung eine Absenderinformation übertragen. Diese Rufnummer erscheint anschließend auf dem Display des angerufenen Telefons. Bei Call-ID-Spoofing wird nicht zwingend die tatsächlich genutzte Anschlussnummer angezeigt, sondern eine andere Rufnummer als Absenderkennung eingesetzt.

Die Bundesnetzagentur beschreibt, dass es technisch auf unterschiedliche Weise möglich ist, die eigentliche Nummer des Anrufenden durch eine gefälschte Nummer zu ersetzen. Täter müssen die missbrauchte Rufnummer weder kaufen noch freischalten lassen. Sie können eine bereits vergebene Nummer eines unbeteiligten Menschen, eine ausländische Nummer oder eine frei erfundene, nicht vergebene Rufnummer verwenden.

Der sichtbare Eintrag im Telefondisplay zeigt daher nur die übermittelte Rufnummer – nicht sicher den tatsächlichen Ursprung des Gesprächs.

Wird eine real existierende deutsche Nummer missbraucht, weiß deren rechtmäßiger Inhaber häufig nichts davon. Nimmt ein Empfänger den betrügerischen Anruf nicht an und ruft später zurück, erreicht er unter Umständen den echten Anschlussinhaber. Dieser hat den ursprünglichen Anruf jedoch nie getätigt. Das erklärt Fälle, in denen Menschen plötzlich zahlreiche Rückrufe von Unbekannten erhalten, obwohl sie selbst niemanden angerufen haben.

Die Bundesnetzagentur warnt ausdrücklich:

„Absenderrufnummern können gefälscht sein und sind nicht uneingeschränkt vertrauenswürdig.“
— Bundesnetzagentur, Verbraucherportal zur Manipulation von Rufnummern.

Warum eine deutsche Nummer trotz Anruf aus dem Ausland erscheinen kann

Ein großer Teil der manipulierten Anrufe wurde nach Angaben der Bundesnetzagentur ursprünglich aus ausländischen Netzen geführt oder über ausländische Netze nach Deutschland geroutet. Die Täter nutzen dabei Telefonanlagen, internetbasierte Sprachdienste oder Callcenter-Infrastrukturen, über die sich große Mengen von Anrufen automatisiert auslösen lassen.

Seit dem 1. Dezember 2022 gelten in Deutschland zusätzliche technische Schutzvorgaben. Telekommunikationsanbieter müssen bei Anrufen aus ausländischen Netzen grundsätzlich verhindern, dass eine deutsche Rufnummer als Absenderinformation angezeigt wird. In solchen Fällen soll die Rufnummernanzeige unterdrückt werden. Eine Ausnahme gilt für deutsche Mobilfunknummern, deren Nutzer sich im internationalen Roaming befinden.

Außerdem müssen Verbindungen abgebrochen werden, wenn bestimmte besonders sensible Nummern fälschlich angezeigt werden. Dazu gehören die Notrufnummern 110 und 112, hochpreisige 0900- und 0137-Rufnummern sowie bestimmte Auskunfts- und Kurzwahldienste.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärte anlässlich der Einführung dieser Regeln:

„Immer wieder verschleiern Kriminelle die wahre Herkunft eines eingehenden Anrufs, indem im Telefondisplay eine gefälschte Rufnummer angezeigt wird.“
— Klaus Müller, Bundesnetzagentur, Pressemitteilung vom 29. November 2022.

Die technischen Vorgaben reduzieren bestimmte Formen der Manipulation, schließen Spoofing aber nicht vollständig aus. Manipulierte Nummern können etwa über technische Umwege, fehlerhafte Prüfungen innerhalb der Verbindungskette oder unter Verwendung tatsächlich erreichbarer Anschlüsse übertragen werden. Auch ein Anruf mit unterdrückter Nummer ist nicht automatisch betrügerisch: Ärzte, Beratungsstellen oder andere berechtigte Anrufer können ihre Nummer ebenfalls aus legitimen Gründen unterdrücken. Die Bundesnetzagentur empfiehlt daher, die Identität des Gesprächspartners unabhängig von der Displayanzeige zu überprüfen.

Welche Nummern besonders häufig Vertrauen erzeugen sollen

Täter wählen Rufnummern, die zur vorgetragenen Geschichte passen. Bei einem angeblichen Anruf der örtlichen Polizei kann eine Ortsnetznummer mit der Vorwahl der jeweiligen Stadt erscheinen. Bei vorgetäuschten Bankanrufen wird teilweise die öffentlich bekannte Servicenummer des Geldinstituts angezeigt. Andere Täter verwenden gewöhnliche deutsche Mobilfunknummern, weil diese weniger auffällig wirken.

Besonders eindeutig ist die Lage bei der 110: Die Polizeinotrufnummer wird bei einem rechtmäßigen ausgehenden Anruf nicht als Absendernummer angezeigt. Polizeidienststellen telefonieren über ihre jeweiligen Ortsnetznummern. Erscheint die 110 im Display, handelt es sich nach Angaben der Bundesnetzagentur um eine manipulierte Anzeige. Über die Notrufnummer selbst können keine ausgehenden Anrufe aufgebaut werden.

Auch eine echte Behördennummer im Display beweist nicht, dass tatsächlich eine Behörde anruft. Die Polizeiliche Kriminalprävention warnte im Februar 2026, dass beim Schockanruf durch Rufnummernmanipulation häufig eine reale Behördennummer angezeigt werde.

Typische Rollen, die Täter am Telefon vortäuschen, sind:

  • Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht oder internationale Polizeibehörde;
  • Bank, Kreditkartenunternehmen, PayPal, Amazon oder Telekommunikationsanbieter;
  • Angehörige, Ärzte, Klinikpersonal, Rechtsanwälte oder Notare.

Die konkrete Legende kann wechseln. Entscheidend ist das wiederkehrende Muster: Der Anrufer beansprucht Autorität oder persönliche Nähe, erzeugt Angst und verlangt eine sofortige Handlung.

So läuft ein betrügerischer Spoofing-Anruf ab

Der Anruf beginnt häufig mit einer scheinbar plausiblen Information. Ein angeblicher Bankmitarbeiter berichtet von einer ungewöhnlichen Überweisung. Eine vermeintliche Polizeibeamtin behauptet, Einbrecher hätten eine Liste mit der Adresse des Angerufenen gefunden. Bei einer automatischen Ansage wird erklärt, persönliche Daten seien in ein Strafverfahren verwickelt oder ein Konto müsse umgehend überprüft werden.

Danach wird der Druck erhöht. Die angerufene Person soll eine Taste drücken, in eine andere Abteilung weitergeleitet werden, eine Sicherheitssoftware installieren oder Kontodaten zur angeblichen Verifizierung nennen. Bei Schockanrufen verlangen Täter Bargeld, Gold, Schmuck oder Zahlungskarten, die später von einem vermeintlichen Kurier abgeholt werden sollen.

Der Zeitdruck ist Teil der Tat: Betroffene sollen keine Gelegenheit erhalten, Angehörige, ihre Bank oder die echte Behörde zu kontaktieren.

Die Täter können bereits bekannte persönliche Daten nennen. Namen, Adressen, Geburtsdaten oder Telefonnummern können aus früheren Datenlecks, öffentlich zugänglichen Verzeichnissen, sozialen Netzwerken oder vorherigen Kontaktversuchen stammen. Die Kenntnis solcher Angaben belegt nicht, dass der Anrufer zu einer Behörde oder Bank gehört.

Bei längeren Gesprächen arbeiten teilweise mehrere Personen zusammen. Ein erster Anrufer gibt sich etwa als Polizist aus, ein zweiter als Staatsanwalt, Bankmitarbeiter oder Vorgesetzter. Durch Weiterleitungen und wechselnde Rollen soll ein glaubwürdiges institutionelles Umfeld entstehen.

Woran sich ein Spoofing-Anruf erkennen lässt

Die manipulierte Rufnummer allein lässt sich am Telefon meist nicht sicher erkennen. Auffällig ist vielmehr das Verhalten des Anrufers. Banken und Behörden verlangen am Telefon keine Übergabe von Bargeld oder Wertsachen. Sie fordern ihre Kunden oder Bürger auch nicht auf, PIN, TAN, Passwörter oder vollständige Zugangsdaten zu nennen.

Die wichtigsten Warnzeichen sind:

  • Der Anrufer verlangt sofortiges Handeln und untersagt Rückfragen oder Rückrufe.
  • Es sollen Geld, Karten, Schmuck, Zugangsdaten oder TAN-Codes übergeben werden.
  • Der Gesprächspartner verlangt die Installation einer App oder Fernwartungssoftware.

Weitere Warnsignale sind automatische Bandansagen, überraschende angebliche Strafverfahren, ungewöhnliche Sicherheitsprüfungen, Forderungen nach Kryptowährungen oder Gutscheinkarten sowie die Aufforderung, Geld auf ein „sicheres Konto“ zu überweisen.

Sandra Königstein von EURO Kartensysteme fasst eine zentrale Schutzregel so zusammen:

„Geldinstitute oder Behörden [fordern] nie sensible Daten oder die Herausgabe von Wertsachen am Telefon an.“
— Sandra Königstein, Präventionskampagne von Polizeilicher Kriminalprävention und kartensicherheit.de, Februar 2026.

Was Angerufene sofort tun sollten

Bei einem verdächtigen Gespräch sollte der Anruf beendet werden. Betroffene müssen sich nicht auf Diskussionen einlassen und sollten keine Taste drücken, wenn eine automatische Ansage dazu auffordert. Anschließend kann die angeblich anrufende Stelle über eine selbst recherchierte oder bereits bekannte Telefonnummer kontaktiert werden.

Dabei darf nicht ausschließlich die Rückruffunktion des Smartphones verwendet werden. Besser ist es, die offizielle Nummer aus einem Brief, einer Bankkarte oder dem Internetauftritt der Institution selbst einzutippen. Bei angeblichen Anrufen von Angehörigen sollte deren bekannte Nummer gewählt oder ein weiteres Familienmitglied kontaktiert werden.

Nach einem verdächtigen Anruf sind folgende Schritte sinnvoll:

  1. Gespräch beenden und keine Daten, Codes oder Zahlungsinformationen nennen.
  2. Uhrzeit, angezeigte Nummer, Gesprächsinhalt und verlangte Handlung dokumentieren.
  3. Polizei, Bank oder betroffene Institution über selbst ermittelte Kontaktdaten anrufen.

Wurden bereits PIN, TAN, Onlinebanking-Daten oder Kartendaten weitergegeben, müssen Bank und Kartenanbieter unverzüglich informiert werden. Zahlungskarten und Zugänge können über den Sperr-Notruf 116 116 gesperrt werden. Aus dem deutschen Festnetz ist der Anruf kostenlos; aus Mobilfunknetzen oder dem Ausland können Gebühren entstehen. Als alternative Nummer nennt die Präventionsstelle +49 30 40504050.

Bereits veranlasste Überweisungen sollten sofort bei der Bank gemeldet werden. Ob eine Zahlung noch gestoppt oder zurückgeholt werden kann, hängt davon ab, ob sie bereits abschließend ausgeführt wurde.

Wo Call-ID-Spoofing gemeldet werden kann

Bei einem kriminell motivierten Anruf, einer Geldforderung oder einem versuchten Datendiebstahl ist die Polizei zuständig. Die Bundesnetzagentur empfiehlt bei entsprechendem Verdacht ausdrücklich, zunächst die zuständige Polizeidienststelle zu kontaktieren.

Rufnummernmanipulation kann zusätzlich über das offizielle Beschwerdeportal der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Dort stehen eigene Formulare für Rufnummernmanipulation, belästigende Anrufe, Ping-Anrufe, Bandansagen, unerlaubte Telefonwerbung und weitere Missbrauchsformen bereit.

Eine Meldung sollte möglichst enthalten:

  • Datum und genaue Uhrzeit des Anrufs;
  • die auf dem Display angezeigte Rufnummer;
  • den Gesprächsverlauf und die behauptete Identität;
  • geforderte Zahlungen, Daten oder Handlungen;
  • vorhandene Screenshots, Anruflisten oder weitere Belege.

Schnelles Handeln ist relevant. Nach Angaben der Bundesnetzagentur werden Verkehrsdaten bei Telekommunikationsanbietern aufgrund der geltenden Speicherfristen in der Regel nach sieben Tagen gelöscht. Beschwerden sollten deshalb möglichst unmittelbar nach dem Anruf eingereicht werden.

Wenn die eigene Nummer für Spoofing verwendet wird

Ein Nummerninhaber kann selbst zum Betroffenen werden, ohne dass sein Telefon oder seine SIM-Karte kompromittiert wurde. Wird seine Nummer lediglich als falsche Absenderkennung eingesetzt, erhält er möglicherweise Rückrufe von Menschen, die zuvor einen betrügerischen oder belästigenden Anruf gesehen haben.

Die Abschaltung der angezeigten Nummer löst dieses Problem nicht, weil der tatsächliche Anruf von einem anderen Anschluss ausgeht. Nach Angaben der Bundesnetzagentur muss vielmehr die technische Verbindungskette untersucht werden, um die tatsächlich genutzte Ausgangsnummer und den Verantwortlichen zu ermitteln.

Betroffene sollten Rückrufern knapp erklären, dass ihre Nummer offenbar manipuliert angezeigt wurde, und die Vorfälle dokumentieren. Häufen sich die Rückrufe, kann ebenfalls eine Beschwerde wegen Rufnummernmanipulation eingereicht werden. Ein Wechsel der eigenen Nummer ist nicht automatisch erforderlich, da die Täter für die Anzeige einer Nummer keinen Zugriff auf den dazugehörigen Anschluss benötigen.

Beschwerden über Rufnummernmissbrauch bleiben auf hohem Niveau

Die Bundesnetzagentur registrierte im Jahr 2025 insgesamt 85.158 Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch. Zu den häufigsten Themen gehörten SMS- und Messenger-Spam sowie belästigendes Anrufverhalten. Weitere Beschwerden betrafen automatische Bandansagen, Fake-Hotlines, Router-Hacking und Rufnummernmanipulation.

Im selben Jahr ließ die Behörde nach eigenen Angaben rund 6.200 Rufnummern abschalten. Für mehr als 2.000 weitere Nummern wurden Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote ausgesprochen. Diese Maßnahmen betreffen nachweislich missbräuchlich verwendete Rufnummern; bei rein gefälschten Absenderanzeigen kann die sichtbare Nummer dagegen einem völlig unbeteiligten Anschlussinhaber gehören.

Klaus Müller erklärte zu den Beschwerdezahlen:

„Für die Verfolgung von und den Kampf gegen Ärger mit Rufnummern sind wir auf die Hinweise der Bürgerinnen und Bürger angewiesen.“
— Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, 9. Februar 2026.

Was die deutsche Nummer tatsächlich beweist

Eine deutsche Vorwahl oder Mobilfunknummer zeigt lediglich, welche Absenderkennung an das Endgerät übertragen wurde. Sie beweist weder den Aufenthaltsort des Anrufers noch dessen Identität. Selbst eine Nummer, die auf der offiziellen Website einer Behörde oder Bank steht, kann bei einem manipulierten Anruf im Display erscheinen.

Verlässlich ist nur eine unabhängige Überprüfung: Gespräch beenden, die offizielle Nummer selbst heraussuchen und erneut anrufen. Werden Geld, Wertsachen, Passwörter, PIN oder TAN verlangt, sollte der Kontakt sofort abgebrochen und der Vorgang der Polizei gemeldet werden.

Eine glaubwürdig wirkende deutsche Rufnummer ist bei Telefonbetrug Teil der Täuschung – kein Beleg für einen seriösen Anruf.

Sie können dies und weitere nützliche Informationen auf unserer Website nachlesen. Wir empfehlen Ihnen außerdem die Lektüre folgender Artikel: FiiO EH13 starten für 49 Euro: Bluetooth-Kopfhörer mit ANC, LDAC und 75 Stunden Akku

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