Startseite WLAN, Bluetooth & NFCGlasfaser-Router wechseln: Wann der ONT weg kann und die FRITZ!Box direkt an die Glasfaser darf

Glasfaser-Router wechseln: Wann der ONT weg kann und die FRITZ!Box direkt an die Glasfaser darf

Glasfaser-Router wechseln: Wann der ONT entfallen kann, welche FRITZ!Box direkt an GPON, AON oder XGS-PON läuft und was Telekom-Kunden bei Modem-ID, SFP Kabel und Freischaltung genau beachten müssen.

von Adham Gurtel

Wer den Glasfaser-Router wechseln will, muss einen vorhandenen ONT nicht automatisch weiterverwenden. Wie die Redaktion von Techify.de, darf ein technisch geeigneter Glasfaser-Router in Deutschland grundsätzlich direkt am passiven Glasfaser-Netzabschluss betrieben werden. Entscheidend sind jedoch Anschlussart, Netzstandard, das passende Glasfasermodem beziehungsweise SFP-Modul und die Freischaltung durch den jeweiligen Netzbetreiber.

Die praktische Antwort lautet deshalb: Eine FRITZ!Box direkt an Glasfaser kann den externen ONT ersetzen, wenn die Box selbst ein kompatibles optisches Modem besitzt und der Provider das Gerät für den Anschluss provisioniert. Eine FRITZ!Box, die nur einen Ethernet-WAN-Port besitzt, benötigt dagegen weiterhin einen externen ONT, der das optische Signal in Ethernet umsetzt. Die Telekom nennt für FTTH ausdrücklich beide Varianten – Router mit integriertem Glasfasermodem beziehungsweise SFP-Modul und Router hinter einem externen Glasfasermodem.

Was der ONT am Glasfaseranschluss überhaupt macht

ONT steht für „Optical Network Termination“. Das Gerät bildet technisch das Glasfasermodem: Es empfängt die optischen Signale aus dem FTTH-Netz und stellt auf der Kundenseite üblicherweise eine Ethernet-Verbindung bereit.

Bei einer klassischen Installation sieht der Aufbau damit so aus:

Glasfaserdose → ONT → Ethernet-Kabel → Router

Hat der Router das passende Glasfasermodem bereits integriert, kann eine zweite aktive Komponente entfallen:

Glasfaserdose → FRITZ!Box Fiber

Genau deshalb ist nicht die Marke des Routers entscheidend, sondern seine optische Schnittstelle. Modelle wie eine FRITZ!Box 7590 AX oder 7530 AX können laut Telekom hinter einem externen Glasfasermodem eingesetzt werden. Die FRITZ!Box 5530 Fiber, 5590 Fiber, 5690 und 5690 Pro führt die Telekom dagegen unter den Geräten, die bei FTTH mit einem Glasfaser-Einsteckmodul beziehungsweise einer integrierten optischen Lösung betrieben werden können.

Ein Ethernet-WAN-Anschluss allein macht einen Router also noch nicht zu einem Glasfaser-Router.

ONT abschaffen: Die Routerfreiheit gilt auch bei FTTH

Rechtlich ist die Situation in Deutschland klarer geworden. Mehrere Telekommunikationsverbände hatten beantragt, bei passiven optischen Netzen den Netzabschlusspunkt hinter den ONT zu verlagern. Damit wäre der ONT faktisch stärker dem Netz des Providers zugeordnet worden.

Die Bundesnetzagentur lehnte diese Ausnahme am 22. Januar 2025 ab. Nach ihrer Entscheidung gilt die freie Endgerätewahl auch in passiven optischen Glasfasernetzen weiter.

„Die aus VDSL- und Kabelnetzen bekannte freie Wahl des Endgeräts am Netzabschlusspunkt gilt weiter auch für Glasfasernetze.“
(Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, Pressemitteilung der Behörde vom 22. Januar 2025)

Grundlage ist § 73 Absatz 1 TKG. Der Zugang zum öffentlichen Telekommunikationsnetz ist grundsätzlich am passiven Netzabschlusspunkt zu ermöglichen. Die Bundesnetzagentur stellte in ihrer Entscheidung zudem fest, dass ein ONT als Glasfasermodem keine rein passive Einrichtung ist.

Die offizielle Verfahrensseite weist weiterhin darauf hin, dass mehrere Antragsteller Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt haben. Dieser Widerspruch habe jedoch keine Auswirkungen auf die fortdauernde Geltung von § 73 Absatz 1 TKG.

Glasfaser-Router wechseln: Wann der ONT weg kann und die FRITZ!Box direkt an die Glasfaser darf

Wann die FRITZ!Box den ONT tatsächlich ersetzen kann

Die Routerfreiheit bedeutet nicht, dass jede beliebige FRITZ!Box einfach an jedes Glasfaserkabel gesteckt werden kann. Vor einem Wechsel müssen mindestens vier technische Punkte stimmen.

  1. Die FRITZ!Box braucht ein geeignetes Glasfasermodem. Bei einem reinen DSL- oder Ethernet-Router bleibt der externe ONT erforderlich. Fiber-Modelle können dagegen die optische Umsetzung selbst übernehmen.
  2. Der optische Netzstandard muss passen. In Deutschland kommen unter anderem GPON, AON und XGS-PON zum Einsatz. AVM weist ausdrücklich darauf hin, dass sich Glasfasernetze technisch unterscheiden und nicht jede Geräte-/SFP-Kombination an jedem Anschluss funktioniert.
  3. SFP-Modul, Stecker und Faser müssen kompatibel sein. Die FRITZ!Box 5530 und 5590 Fiber arbeiten mit austauschbaren Glasfasermodulen. AVM nennt für seine Fiber-Geräte Singlemode-Fasern und weist darauf hin, dass bei abweichenden Buchsen passende Kabel oder Adapter notwendig sein können.
  4. Das Endgerät muss im Netz des Providers aktiviert sein. Bei GPON kann beispielsweise eine Modem-ID beziehungsweise PON-Seriennummer erforderlich sein. AVM erläutert, dass die Modem-ID bei FRITZ!Box 5530 und 5590 Fiber in der Box hinterlegt ist und bei einem Austausch des Routers eine neue Registrierung beim Netzbetreiber erforderlich sein kann.

Damit wird auch deutlich, warum „ONT ausstecken und FRITZ!Box anschließen“ nicht in jedem Netz sofort funktioniert.

GPON, AON oder XGS-PON: Der Netzstandard entscheidet

Besonders relevant ist die Frage, welche optische Technik am konkreten Anschluss läuft.

Bei GPON teilen sich mehrere Teilnehmer die Kapazität eines passiven optischen Netzes. Das Endgerät wird gegenüber dem Netz identifiziert und muss korrekt provisioniert sein.

Bei AON handelt es sich um eine aktive Punkt-zu-Punkt-Infrastruktur. Auch hier muss das verwendete optische Modul zu den technischen Parametern des Anschlusses passen.

XGS-PON ermöglicht höhere symmetrische Kapazitäten, benötigt aber wiederum kompatible Hardware. Nicht jede FRITZ!Box, die GPON unterstützt, kann deshalb automatisch an einem XGS-PON-Anschluss betrieben werden.

AVM nennt für die FRITZ!Box 5690 Pro beispielsweise AON und GPON, nicht jedoch XGS-PON. Bei der FRITZ!Box 5530 und 5590 Fiber hängt XGS-PON von der konkreten Geräte- und SFP-Ausführung ab.

Auch die Telekom unterscheidet hier. Auf ihrer aktuellen Kompatibilitätsseite weist sie darauf hin, dass für ihre „Glasfaser 2000“-Anschlüsse in bestimmten Sondergebieten eine passende XGS-PON-Ausführung benötigt wird; dort wird ausdrücklich die FRITZ!Box 5530 Fiber Edition XGS-PON genannt.

Vor dem Kauf eines Fiber-Routers sollte deshalb zuerst der tatsächliche Netzstandard geprüft werden – nicht erst die gewünschte WLAN-Ausstattung.

Telekom: ONT oder FRITZ!Box direkt sind beide vorgesehen

Bei einem Telekom-FTTH-Anschluss muss ein externer ONT nicht zwingend bestehen bleiben. Die Telekom führt Router mit integriertem Glasfasermodem oder SFP ebenso als kompatible Lösung wie Router hinter einem externen Modem.

Bereits in ihrer Stellungnahme gegenüber der Bundesnetzagentur stellte die Telekom ausdrücklich beide Varianten gegenüber.

„Der Kunde kann frei entscheiden, ob er das ONT als Stand-alone Gerät mit einem separaten Router betreiben will oder […] integrierte Geräte.“
(Deutsche Telekom, Stellungnahme an die Bundesnetzagentur vom 6. Oktober 2023)

Wer beispielsweise von einem Telekom Glasfaser-Modem plus herkömmlicher FRITZ!Box auf eine FRITZ!Box 5590 Fiber umstellt, ersetzt damit technisch zwei Geräte durch eines. Die neue Box muss anschließend jedoch mit ihrer eigenen optischen Identität im Netz aktiviert werden.

Je nach Ausbauplattform können sich die konkreten Schritte unterscheiden. AVM erläutert für GPON unter anderem die Modem-ID und die bei bestimmten Telekom-Anschlüssen verwendete Installationskennung beziehungsweise PLOAM-Kennung.

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Wann der ONT besser bleiben sollte

Ein externer ONT ist keineswegs grundsätzlich überflüssig. Er bleibt die einfachste Lösung, wenn ein bereits vorhandener Router weiterverwendet werden soll, der kein eigenes optisches Modem besitzt.

Das betrifft beispielsweise zahlreiche DSL-FRITZ!Boxen. Die Telekom nennt unter anderem die FRITZ!Box 7490, 7530 beziehungsweise 7530 AX und 7590 beziehungsweise 7590 AX als Geräte, die über ein zusätzliches externes Glasfasermodem an FTTH betrieben werden können.

Auch räumlich kann ein ONT sinnvoll sein. Liegt die Glasfaserdose im Keller, während der Router zentral im Wohnbereich stehen soll, lässt sich die Strecke hinter dem ONT über Ethernet führen. Die Telekom verwies in ihrer Stellungnahme ausdrücklich darauf, dass Kunden in Einfamilienhäusern teilweise eine solche Split-Installation mit ONT im Keller und Router in den Wohnräumen bevorzugen.

Bei Vodafone hängt die Ausführung nach Angaben des Unternehmens zusätzlich vom jeweiligen Kooperationspartner ab. Ist kein ONT vorhanden, nennt Vodafone einen Router mit integriertem ONT oder einen separat gekauften ONT als Möglichkeiten. Ist bereits ein ONT installiert, kann ein geeigneter Router über Ethernet daran angeschlossen werden.

FRITZ!Box direkt an die Glasfaserdose: Darauf vor dem Wechsel achten

Wer den ONT entfernen möchte, sollte den bestehenden Anschluss nicht allein anhand des Tarifnamens beurteilen. Entscheidend sind die technische Schnittstellenbeschreibung und die Vorgaben des Netzbetreibers.

Vor dem Umbau sollten geprüft werden:

  • Netzart: FTTH oder lediglich FTTB;
  • optischer Standard: GPON, AON oder XGS-PON;
  • genauer FRITZ!Box-Typ und unterstütztes Glasfasermodul;
  • Steckertyp an Gf-TA und Router, beispielsweise SC/APC oder LC/APC;
  • benötigte Modem-ID, PON-Seriennummer oder Installationskennung;
  • Verfahren des Providers für Modem- beziehungsweise Routertausch;
  • Zugangsdaten für Internet und gegebenenfalls VoIP-Telefonie.

Die Bundesnetzagentur verpflichtet Betreiber zudem nach § 74 TKG, angemessene und genaue technische Beschreibungen ihrer Netzzugangsschnittstellen bereitzustellen und zu veröffentlichen. Gerade bei kleineren regionalen Glasfaseranbietern kann diese Schnittstellenbeschreibung entscheidend sein.

„Die ‚passive Dose‘ (Gf-TA) ist der Netzabschluss, dort schliesst der Endkunde die FRITZ!Box an.“
(AVM, Glasfaser-FAQ zum direkten Anschluss von Fiber-Routern)

Was beim Routerwechsel häufig verwechselt wird

Ein ONT und ein Router sind nicht dasselbe. Der ONT stellt die optische Netzschnittstelle her; der Router übernimmt unter anderem IP-Routing, Firewall, Heimnetz, WLAN und häufig Telefonie.

Eine Fiber-FRITZ!Box kombiniert beide Funktionen in einem Gehäuse. Wird dagegen eine klassische FRITZ!Box hinter einem ONT eingesetzt, übernimmt der ONT weiterhin die optische Verbindung und die FRITZ!Box bekommt den Internetzugang über Ethernet.

Auch die gesetzliche Routerfreiheit garantiert keine technische Kompatibilität jedes Geräts. Die Bundesnetzagentur schreibt ausdrücklich, dass der frei gewählte Router den Anforderungen des Anbieters genügen muss. Der Anbieter wiederum muss dem Kunden die erforderlichen Zugangsdaten zur Verfügung stellen.

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht nur: „Kann der ONT weg?“, sondern: Kann die konkrete FRITZ!Box die vollständige optische Funktion des vorhandenen ONT an genau diesem Anschluss übernehmen?

Ist die Antwort bei Netzstandard, SFP und Provisionierung jeweils Ja, kann der externe ONT entfallen. Fehlt nur einer dieser Punkte, bleibt der ONT als Glasfasermodem notwendig oder zumindest die technisch einfachere Lösung.

Sie können dies und weitere nützliche Informationen auf unserer Website nachlesen. Wir empfehlen Ihnen außerdem die Lektüre folgender Artikel: iPhone Duo kommt nach Deutschland: 2.299 Euro, Vorbestellung am 16. Oktober – für wen lohnt sich Apples erstes Foldable

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