Auracast soll Bluetooth-Audio dort verändern, wo klassisches Pairing bislang unpraktisch war: an Flughäfen, in Bahnhöfen, Museen, Fitnessstudios, Konferenzzentren oder vor stummen Fernsehbildschirmen. Wie die Redaktion Techify.de, von Google, Samsung und mehreren Kopfhörerherstellern berichtet, können inzwischen zahlreiche aktuelle Android-Smartphones öffentliche oder private Auracast-Streams auswählen und an kompatible LE-Audio-Kopfhörer, Earbuds oder Hörgeräte weiterreichen. Voraussetzung ist allerdings nicht allein „Bluetooth 5.3“ oder „LE Audio“ – entscheidend sind die tatsächlich unterstützten Auracast-Rollen und die jeweilige Software.
Der technische Unterschied ist grundlegend: Bei herkömmlichem Bluetooth-Audio wird normalerweise eine direkte Verbindung zwischen zwei Geräten aufgebaut. Auracast basiert dagegen auf Bluetooth LE Audio und ermöglicht es einem Sender, denselben Audiostream an eine theoretisch unbegrenzte Zahl kompatibler Empfänger auszustrahlen. Der Nutzer sucht dabei einen verfügbaren Audiokanal ähnlich wie ein WLAN-Netz oder einen Radiosender aus, statt jeden Lautsprecher oder Kopfhörer einzeln mit der Quelle zu koppeln. Die Bluetooth SIG nennt ausdrücklich Smartphones, Fernseher, Lautsprecheranlagen und öffentliche Beschallungssysteme als mögliche Sender sowie Kopfhörer, Earbuds und Hörgeräte als Empfänger.
Warum „LE Audio unterstützt“ noch nicht automatisch „Auracast funktioniert“ bedeutet
Für Auracast unterscheidet die Bluetooth-Spezifikation mehrere Rollen. Diese Trennung erklärt, warum Produktlisten auf den ersten Blick widersprüchlich wirken können.
- Transmitter: sendet einen Auracast-Audiostream.
- Receiver: empfängt und spielt den Broadcast selbst ab, beispielsweise ein Kopfhörer oder Hörgerät.
- Assistant: sucht verfügbare Broadcasts und hilft einem verbundenen Receiver beim Beitritt.
Ein Smartphone kann daher beispielsweise als Assistant dienen, ohne selbst als Audioempfänger verwendet zu werden. Ein Kopfhörer wiederum kann Receiver sein, benötigt für die Auswahl eines öffentlichen Streams aber häufig ein Smartphone oder eine Hersteller-App als Bedienoberfläche.
Die Bluetooth SIG führt Produkte genau nach diesen Rollen. In der offiziellen Auracast-Produktdatenbank werden beispielsweise das Samsung Galaxy S23, S24 und verschiedene Fold-Modelle als „Assistant / Transmitter“ geführt, während Galaxy Buds2 Pro, Buds3 und Buds3 Pro als „Receiver“ erscheinen. Auch Sony WF-1000XM5, Sennheiser Momentum True Wireless 4 und Technics EAH-AZ100 werden als Receiver gelistet.
„Auracast broadcast audio enables an audio transmitter […] to broadcast audio to an unlimited number of nearby Bluetooth audio receivers.“
(Bluetooth SIG, Vorstellung von Auracast am 8. Juni 2022)

Diese Smartphones unterstützen Auracast bereits
Google hat die Unterstützung 2025 deutlich ausgeweitet. Nach Angaben des Unternehmens gehören kompatible Geräte der Pixel-8-Serie und neuer, Samsung-Galaxy-Flaggschiffe seit der Galaxy-S23-Generation sowie mehrere aktuelle Xiaomi- und Poco-Modelle zum unterstützten Gerätebestand.
Google nennt ausdrücklich Galaxy S23, S24 und S25 sowie Z Fold5, Fold6 und Fold7. Bei Xiaomi werden unter anderem Xiaomi 14, 14T, 14T Pro, 14 Ultra, 15, 15 Ultra und Mix Flip aufgeführt; dazu kommen Modelle wie Poco X6 Pro, F6 Pro, F7 Pro und F7 Ultra.
| Smartphone-Familie | Auracast-Funktion laut Hersteller/Quelle | Besonderheit |
|---|---|---|
| Google Pixel 8 und neuer | LE Audio / Audio Sharing / Broadcast-Beitritt | kompatible LE-Audio-Kopfhörer erforderlich |
| Samsung Galaxy S23/S24/S25 | Assistant und je nach Modell Transmitter | besonders breite Galaxy-Buds-Integration |
| Samsung Z Fold5/6/7 | Assistant / Auracast-Unterstützung | Broadcast-Auswahl über Bluetooth-Menü |
| Xiaomi 14/14T/15-Serie | LE Audio Auracast | abhängig von Software und Modell |
| Xiaomi Mix Flip | Assistant / Transmitter | offiziell von Bluetooth SIG gelistet |
| Poco X6 Pro/F6 Pro/F7-Serie | Auracast-fähige Android-Geräte | LE-Audio-Kopfhörer nötig |
| Sony Xperia 1 IV bis aktuelle Generationen | Assistant / Transmitter bei gelisteten Modellen | Sony-Kopfhörer lassen sich als Receiver nutzen |
Bei Pixel-Geräten nennt Google inzwischen Pixel 8 und neuere Modelle für die Audio-Sharing-Funktion. Zum Start wird mindestens ein kompatibles LE-Audio-Headset verbunden. Anschließend erscheint unter Bluetooth die Funktion „Share audio“. Ein zweites Headset kann gekoppelt oder über einen QR-Code hinzugefügt werden. Öffentliche beziehungsweise von anderen Geräten erzeugte Broadcasts lassen sich ebenfalls per QR-Code öffnen.
Google hatte die Auracast-Integration zunächst unter anderem für Pixel-9-Geräte und kompatible Hörgeräte angekündigt. Dabei dient das Smartphone als Oberfläche zum Finden und Auswählen des Broadcasts; das eigentliche Audiosignal wird vom kompatiblen Hörgerät oder Headset empfangen.
Samsung hat Auracast besonders tief in One UI integriert
Samsung unterstützt Auracast bereits seit mehreren Gerätegenerationen. Nach aktuellen Support-Angaben funktioniert die Funktion auf Galaxy-Geräten mit One UI 6.1 bis One UI 8.0 unter dem Namen Auracast; mit One UI 8.5 bezeichnet Samsung sie als Audio Broadcast. Nutzer können sowohl eigene Streams starten als auch verfügbare Streams suchen.
Samsung nennt unter anderem folgende Smartphones und Tablets als kompatible Auracast-Assistant-Geräte:
- Galaxy S23, S23+, S23 Ultra
- Galaxy S24, S24+, S24 Ultra
- Galaxy Z Fold5 und Fold6
- Galaxy Z Flip5 und Flip6
- Galaxy A55 5G
- verschiedene Galaxy-Tab-S9-Modelle
Für ältere beziehungsweise weitere Modelle existieren zusätzliche Freigaben. Samsung hatte beispielsweise bereits Galaxy A54 5G, M54 5G, Z Fold4 und Z Flip4 für das Anhören von Auracast-Broadcasts über kompatible Galaxy Buds genannt.
Der Ablauf ist vergleichsweise direkt: Unter Einstellungen → Verbindungen → Bluetooth wird ein kompatibler Kopfhörer ausgewählt. Anschließend erscheint je nach One-UI-Version „Listen to Auracast broadcast“, „Find a broadcast“ oder „Audio broadcast“. Dort listet das Smartphone verfügbare Kanäle auf. Geschützte Broadcasts verlangen ein Passwort.
Welche Kopfhörer Auracast wirklich empfangen können
Hier ist die Receiver-Rolle entscheidend. Die offizielle Produktdatenbank der Bluetooth SIG nennt inzwischen eine deutlich größere Auswahl als noch vor wenigen Jahren.
| Kopfhörer / Earbuds | Auracast-Rolle | Hinweise |
|---|---|---|
| Samsung Galaxy Buds2 Pro | Receiver | Firmware aktuell halten |
| Samsung Galaxy Buds3 | Receiver | direkte Integration in Galaxy-Menüs |
| Samsung Galaxy Buds3 Pro | Receiver | Auracast über Galaxy-Smartphone auswählbar |
| Sony WF-1000XM5 | Receiver | offiziell bei Bluetooth SIG gelistet |
| Sennheiser Momentum True Wireless 4 | Receiver | Auracast über Smart Control |
| Sennheiser Accentum True Wireless | Receiver | Auracast über Hersteller-App |
| Technics EAH-AZ100 | Receiver | offiziell als Receiver gelistet |
| Jabra Elite 8 | Receiver | in Bluetooth-SIG-Datenbank geführt |
| Jabra Elite 10 | Receiver | in Bluetooth-SIG-Datenbank geführt |
| JBL Tour One M3 | Receiver / Transmitter | beide Auracast-Rollen vorhanden |
| JBL Tour Pro 3 | Receiver / Transmitter | kann empfangen und senden |
Sennheiser hat die Funktion beispielsweise für Momentum True Wireless 4 und Accentum True Wireless freigeschaltet. Die Smart-Control-App übernimmt dabei die Rolle des Suchwerkzeugs: Smartphone mit den Earbuds verbinden, in der App nach Auracast-Broadcasts suchen und den gewünschten Stream auswählen. Sennheiser weist darauf hin, dass dafür die aktuelle Firmware und App-Version erforderlich sind.
Das Smartphone muss in diesem Szenario nicht selbst den Audiostream über eine klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindung empfangen und anschließend erneut übertragen. Es kann lediglich die Auswahl koordinieren, während der Kopfhörer den eigentlichen Broadcast direkt empfängt.

Öffentliche Auracast-Streams: Wo die Technik eingesetzt werden soll
Der wichtigste Anwendungsfall ist nicht das Teilen einer Spotify-Wiedergabe im Wohnzimmer, sondern öffentlich zugängliches Audio.
Die Bluetooth SIG nennt insbesondere:
- Flughäfen und Bahnhöfe: Gate-, Bahnsteig- oder Sicherheitsdurchsagen direkt auf Kopfhörern oder Hörgeräten.
- Museen und Ausstellungen: Audioguides ohne separates Leihgerät.
- Fitnessstudios und Wartebereiche: Ton von normalerweise stumm geschalteten Fernsehern.
- Konferenzzentren: Vortrags- oder Übersetzungskanäle.
- Kinos, Kirchen und Veranstaltungsräume: barriereärmere Audioübertragung für Hörgeräte.
Diese Szenarien gehören ausdrücklich zur geplanten Infrastruktur für öffentliche Auracast-Standorte. Die Bluetooth SIG sieht dabei auch eine Alternative beziehungsweise Ergänzung zu traditionellen Assistive-Listening-Systemen.
„The introduction of Auracast broadcast audio will enable us to move from personal wireless listening experiences to shared wireless listening experiences.“
(Mark Powell, CEO der Bluetooth SIG, zur Einführung von Auracast)
Google beschreibt inzwischen denselben Einsatz: Nutzer sollen an Auracast-fähigen Veranstaltungsorten beispielsweise Flughafendurchsagen, Audiotouren in Museen oder Fernsehton im Fitnessstudio direkt über ihre eigenen Kopfhörer hören können.
So funktioniert der Empfang praktisch
Bei einem kompatiblen Android-Gerät läuft der Vorgang grundsätzlich in drei Schritten:
- Auracast-fähige LE-Audio-Kopfhörer oder ein kompatibles Hörgerät mit dem Smartphone verbinden.
- Verfügbare Broadcasts über Bluetooth-Einstellungen, eine Hersteller-App oder einen QR-Code suchen.
- Gewünschten Kanal auswählen; bei geschützten Streams Passwort oder QR-Code verwenden.
Pixel-Geräte ab Pixel 8 unterstützen dabei Audio Sharing mit LE-Audio-Zubehör. Google beschreibt für den Beitritt zu einem Broadcast auch den Weg über die Kamera: QR-Code des Streams scannen, auf das erscheinende Audio-Symbol tippen und anschließend „Listen“ wählen.
Samsung integriert die Broadcast-Suche direkt in die Bluetooth-Einstellungen beziehungsweise die Einstellungen kompatibler Galaxy Buds. Bei neueren One-UI-Versionen befindet sich die Funktion zusätzlich im Bereich „Audio broadcast“.
Worauf Käufer achten müssen
Eine Bluetooth-Version allein reicht als Kaufkriterium nicht aus. Selbst Bluetooth 5.3, 5.4 oder 6.x bestätigt nicht automatisch, dass ein Produkt Auracast empfangen kann.
Entscheidend sind vier Angaben:
- Bluetooth LE Audio
- LC3-Codec
- Auracast
- Receiver- beziehungsweise Broadcast-Sink-Unterstützung
Am zuverlässigsten ist ein Abgleich mit der offiziellen Auracast-Produktdatenbank der Bluetooth SIG. Dort wird bei jedem gelisteten Produkt angegeben, ob es als Receiver, Transmitter, Assistant oder in mehreren Rollen arbeitet.
Auch Firmware spielt eine Rolle. Funktionen können bei technisch vorbereiteten Kopfhörern erst nach einem Update freigeschaltet werden. Sennheiser hat diesen Weg bei den Momentum True Wireless 4 gewählt; Samsung verlangt ebenfalls aktuelle Software für Galaxy-Geräte und Buds.
Auracast ersetzt Bluetooth nicht vollständig
Auracast ist Teil der Bluetooth-LE-Audio-Architektur und kein eigenständiger Funkstandard außerhalb von Bluetooth. Klassisches Bluetooth-Pairing bleibt für Telefonate, persönliche Musikverbindungen, Multipoint oder ältere Geräte relevant.
Neu ist das Broadcast-Prinzip: Eine Quelle kann denselben Audiostream gleichzeitig an sehr viele Empfänger ausstrahlen. Nutzer müssen sich nicht einzeln mit dem Sender koppeln. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Bluetooth-Verbindungen.
„Broadcast audio […] enables an audio transmitter to broadcast to an unlimited number of nearby Bluetooth audio receivers.“
(Bluetooth SIG, technische Beschreibung von Auracast Broadcast Audio)
Mit Pixel 8 und neueren Pixel-Modellen, Galaxy-Geräten seit mehreren Generationen sowie kompatiblen Xiaomi-, Poco- und Sony-Smartphones ist die notwendige Assistant- und Broadcast-Infrastruktur inzwischen deutlich breiter verfügbar. Bei den Kopfhörern reicht das Spektrum von Galaxy Buds2 Pro und Buds3 über Sony WF-1000XM5, Sennheiser Momentum True Wireless 4 und Technics EAH-AZ100 bis zu neueren JBL-Modellen.
Für den Nutzer bleibt deshalb eine einfache Regel: Nicht nach der Bluetooth-Versionsnummer kaufen, sondern ausdrücklich nach „Auracast Receiver“ beziehungsweise nach bestätigter Unterstützung für öffentliche Auracast-Broadcasts suchen.
Sie können dies und weitere nützliche Informationen auf unserer Website nachlesen. Wir empfehlen Ihnen außerdem die Lektüre folgender Artikel: Passkeys auf Android übertragen: Passwortmanager wechseln, ohne Schlüssel neu einzurichten
