Startseite Datenschutz & SicherheitBSI testet Kinder-Smartwatches: Unverschlüsselte Daten und Sicherheitslücken – das sollten Eltern jetzt tun

BSI testet Kinder-Smartwatches: Unverschlüsselte Daten und Sicherheitslücken – das sollten Eltern jetzt tun

von Adham Gurtel

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat drei Kinder-Smartwatches samt Eltern-Apps untersucht – und bei keinem Gerät eine wirklich sichere Grundeinstellung gefunden. Zwei Uhren übertrugen Daten teilweise unverschlüsselt, alle drei hatten Schwächen beim Löschen und Zurücksetzen. Wenn Ihr Kind eine solche Uhr trägt, sollten Sie Updates, Kontakte, Ortung und Kontoschutz jetzt einmal durchgehen.

Was das BSI geprüft hat

Der Bericht trägt den Titel „IT-Sicherheit auf dem digitalen Verbrauchermarkt: Fokus Kinder-Smartwatches“ und ist auf den 19. Oktober 2026 datiert. Getestet wurde im ersten Quartal 2026 zusammen mit dem Projektpartner Certitude Consulting. Die Auswahl der Uhren stammt aus einer Marktanalyse. Laut Berichten von heise online und Linux-Magazin handelt es sich um die Connect Neo von One2Track, die Garmin Bounce und die Imoo Z3.

Solche Uhren können telefonieren, Sprachnachrichten verschicken, den Standort melden und oft auch Fotos aufnehmen. Sie verarbeiten also sehr persönliche Daten – und zwar von Kindern, die Risiken kaum selbst einschätzen können.

Die Ergebnisse im Überblick

Prüfpunkt Ergebnis laut BSI
Sichere Standardkonfiguration Bei keinem Produkt erreichbar, ohne dass Kinder sie umgehen können
Verschlüsselte Übertragung Zwei von drei Uhren senden Daten teilweise unverschlüsselt
Sicherheitsupdates Ein Modell war Anfang 2026 im Abverkauf und erhält keine Firmware-Updates mehr
Außerbetriebnahme (Löschen, Zurücksetzen) Mängel bei allen drei Geräten
Zusammenarbeit der Hersteller Alle Hersteller haben laut BSI kooperiert

Besonders unangenehm ist der letzte technische Punkt. Wer eine gebrauchte Kinderuhr verkauft oder weitergibt, kann sich nicht blind darauf verlassen, dass ein Zurücksetzen alle Daten entfernt. Das kennen Sie vielleicht schon vom Handy: Auch dort bleibt bei falscher Reihenfolge mehr zurück als gedacht – wir haben das in unserem Ratgeber Altes Smartphone verkaufen: Diese Daten bleiben trotz Löschen zurück beschrieben.

Was bedeutet das für Familien?

Ein Grund zur Panik ist der Bericht nicht. Er zeigt aber, dass die Uhr allein keine Sicherheit garantiert. Viel hängt an den Einstellungen in der Eltern-App und daran, ob der Hersteller noch Updates liefert. Eine Uhr ohne Updates sollten Sie laut BSI nicht weiter nutzen – auch wenn sie äußerlich noch einwandfrei funktioniert.

Unverschlüsselte Übertragung heißt im schlimmsten Fall: Wer im selben Netz mitliest, kann Inhalte oder Standortdaten abgreifen. Wie groß das Risiko im Alltag ist, hängt vom Modell und von der Art der Daten ab. Details zu einzelnen Geräten stehen im vollständigen BSI-Bericht.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Update-Status prüfen: Schauen Sie in der Eltern-App oder beim Hersteller nach, ob die Uhr noch Firmware-Updates bekommt, und schalten Sie automatische Updates ein. Aktualisieren Sie auch die App und das Betriebssystem Ihres eigenen Smartphones.
  2. Konto absichern: Nutzen Sie für das Eltern-Konto ein eigenes, starkes Passwort und – wenn angeboten – die Zwei-Faktor-Authentisierung. Prüfen Sie, welche Personen und Geräte mit der Uhr verknüpft sind, und entfernen Sie unbekannte Zugänge.
  3. Kontakte und Funktionen begrenzen: Legen Sie fest, wer Ihr Kind anrufen oder anschreiben darf. Kamera, Ortungsverlauf und Bewegungsmuster schalten Sie ab, wenn Sie sie nicht brauchen; die Ortung nur bei Bedarf nutzen.
  4. Sparsam mit Daten sein: Hinterlegen Sie nur das Nötigste, am besten Vorname oder Spitzname – keine Adresse, keine Schule, keine Fotos. Aktivieren Sie die Tastensperre der Uhr.

Geht die Uhr verloren, sperren Sie rasch Konto und SIM-Karte. Vor einem Verkauf: alle Daten löschen, auf Werkseinstellungen zurücksetzen, SIM und Speicherkarte entnehmen. Wer gerade das erste Smartphone fürs Kind einrichtet, findet ergänzende Tipps in unserem Beitrag zu Sicherheitseinstellungen für das erste Smartphone.

Worauf Sie beim Kauf achten können

Das BSI rät zu Uhren mit nur den Funktionen, die Sie wirklich brauchen. Oft reichen Anrufe und ein SOS-Knopf. Jede zusätzliche Funktion – Kamera, Spiele, Dauerortung – vergrößert die Angriffsfläche. Vor dem Kauf lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung: Wo werden die Daten verarbeitet, bekommen Dritte Zugriff, lassen sie sich löschen? Bleiben diese Fragen offen, ist ein anderes Gerät die bessere Wahl. Wie lange ein Hersteller Updates zusagt, sollte ebenfalls vor dem Kauf feststehen.

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