Nie wieder die schmutzige Wäsche in den Keller schleppen – das war unser Ziel bei der Kernsanierung unseres Altbaus. In Eigenregie, bei möglichst geringen Kosten. Es folgt mein Erfahrungsbericht vom Bau unseres Wäscheschacht-Systems.

2018 standen wir vor der Kernsanierung unseres gekauften Altbaus aus den 1950er Jahren. Eine große Portion „Lust auf Selber machen“ mit einer Brise Naivität das war unser Rezept, das uns unser heutiges Ergebnis lieferte: unser Traumhaus.

Mit dem frei verfügbaren 3D-Planungstool Sweet Home 3D habe ich den Grundriss intensiv vor Beginn des Umbaus geplant. Welche Wände sollen weichen? Wie wirkt eine große offene Wohnküche? Dank der 3D-Visualisierungen haben wir bereits vor den Umbauten einen sehr guten Eindruck unseres zukünftigen Hauses erhalten können.

Für das Projekt „Eigenheim“ konnten wir uns viel Zeit nehmen. Unzählige Ideen und Änderungen haben wir so noch während des Umbaus umsetzen können. Auch der Wäscheabwurf war eine relativ spontane Idee, die dann über Tage hinweg reifte.

Im Internet finden sich viele Anbieter von Fertigsystemen, aber weniger echte Erfahrungsberichte von Diy-Projekten. Deshalb möchte ich meine Vorüberlegungen, Erfahrungen und die finale Umsetzung unseres Wäscheabwurfs teilen für Andere zur Inspiration, ohne den Anspruch an handwerklicher Perfektion.

Planung: Wäscheschacht über zwei Stockwerke

Zwei grundlegende Dinge waren mir wichtig: Die Sicherheit und der Schallschutz.

Das Thema Sicherheit drehte sich vor allem um die Position der Wäsche-Einwurfklappen. Bei vielen Wäscheschacht-Beispielen öffnen die Einwurfklappen nach oben. Schnell vergisst man mal die Klappe zu schließen. Mir erschein das Risiko für Kind und Haustier einfach zu hoch, durch den Schacht zu stürzen. Daher sollte die Klappe seitlich öffnen, ohne davorstehende Möbel zum Raufklettern.

Schallschutz war mir ein generelles Anliegen beim Umbau des Hauses. Zum einen der Schallschutz in Richtung Nachbar (Doppelhaushälfte) und zum anderen auch der Schallschutz innerhalb des Gebäudes über die beiden Stockwerke hinweg. Denn mit einem Wäscheabwurf reist man sich große Öffnungen in die Decken vom Keller bis ins Obergeschoss, die den Schall überall hin transportieren. Und auch das Rohr selbst überträgt den Schall extrem.

Zusätzlich wollte ich den Wäscheabwurf als Versorgungsschacht für LAN Kabel und Leerrohre bis hoch auf den Dachboden nutzen.

Der Wäscheschacht endet neben der Waschmaschine, oder lieber nicht?

Wohin soll die Wäsche eigentlich fallen? In die Waschküche, möglichst nah an die Waschmaschine? So empfehlen es zumindest die meisten Fertiganbieter. Aus Schallschutzgründen habe ich mich aber dagegen entschieden. Warum?

Die Waschmaschine macht bei 1.400 U/min einen Heidenkrach. Ich wollte dem Dröhnen möglichst wenig Chance geben, das Wäscherohr als Resonanzkörper zu nutzen. Deshalb fällt die Wäsche bei uns in den Vorratsraum, neben der Waschküche, getrennt durch den Kellerflur.

Freistehender Wäscheschacht, entkoppelt von Wänden und Decke

Normalerweise endet ein Wäscheschacht kurz unterhalb der Kellerdecke. Es schwebt also sozusagen. Um das zu schaffen, muss das Rohr mit speziellen Haltern auf allen Zwischendecken liegen und dort entsprechend fest mit den Decken verankert werden.

Nennt mich beim Thema „Schallschutz“ fanatisch, aber hier hatte ich Sorge, dass Schwingungen an das Rohr übertragen werden. Mein Ziel: Das Schachtsystem von allen Wänden und Zwischendecken soweit möglich zu entkoppeln, um das Risiko der Schallübertragung auf die anderen Stockwerke weiter zu reduzieren.

Meine Lösung: Das gesamte Wäscheschacht-System soll freistehend auf dem Kellerboden stehen. Möglichst ohne festen Kontakt mit den Zwischendecken.

Umsetzung: Freistehender Wäscheabwurf bauen

Glücklicherweise waren in unserem Altbau zwei Schornsteine verbaut, von denen wir einen nicht mehr benötigten. Diesen haben wir abgebaut, und konnten dann die offenen Decken für den Schacht nutzen. Ein Einwurf soll im Ankleidezimmer (OG) sein, ein weiterer im Bad (EG) und im Vorratsraum (Keller) enden.

Unser Wäscheschacht besteht aus handelsüblichen KG-Rohren DN 315. Folgende Elemente habe ich verwendet (von oben nach unten):

  • 90°-Kurve (Obergeschoss)
  • 2m Gerade
  • T-Stück (Erdgeschoss)
  • 2m Gerade
  • 45°-Abzweig-Stück (Keller)

Warum ein 45°-Abzweig im Keller? Da das Schachtsystem freistehend auf dem Kellerboden aufliegen sollte, musste das Rohr unten flach enden, um das ganze System hinstellen zu können.

Den Abzweig habe ich innen sauber und glatt ausgespachtelt, um die Wäsche in den Abzweig zu leiten. Darunter kam ein Fundament aus Porenbeton, damit unter den Abwurf ein Wäschekorb passt.

Um Schallübertragungen zu reduzieren, habe ich noch eine Antivibrationsmatte für Waschmaschinen* drunter gelegt, siehe nächstes Foto.

Dann habe ich Stück-für-Stück die Rohre aufeinander gesteckt.

Damit der Schacht nicht schwankt habe ich ihn in den Zwischendecken mit Bauschaum* fixiert. Zusätzlich an drei Stellen mit Montagelochband* umwickelt (getrennt durch Stücke der Antivibrationsmatte) und an den Wänden befestigt. Fertig war die Grundkonstruktion unseres Wäscheschachts.

Trockenbau: Den Wäscheabwurf verkleiden

Nachdem die Kabel verlegt und der Schacht fest montiert war, machte ich mich an den Trockenbau. Die Unterkonstruktion habe ich mit handelsüblichen Profilen aufgebaut. Alle Zwischenräume habe ich dann mit Dämmung voll ausgefüllt. Die Konstruktion habe ich dann doppelt mit Knauf Diamantplatten beplankt. Die Diamantplatten sind wesentlich härter und schwerer, und erhöhen den Schallschutz (so zumindest der Hersteller).

Meine Trockenbau-Kenntnisse (wie viele andere Renovierungskenntnisse auch) habe ich übrigens mit einem YouTube-Studium erworben. Ich kann Dirk’s Trockenbau und Handwerker Kanal auf YouTube absolut empfehlen.

Im Keller habe ich erst in den letzten Tagen damit begonnen, den Schacht mit Trockenbau zu verkleiden. Der Raum selbst ist auch längst noch nicht final. Nachfolgend ein Foto des aktuellen Arbeitsstands.

Wäscheabwurf Einwurfklappe: Meine Empfehlung

Erst nach Einzug haben wir uns genauere Gedanken zu den Wäsche-Einwurfklappen gemacht. Die erste Idee, eine Lösung in Eigenregie zu „basteln“, haben wir schnell verworfen. Ich habe mir einfach nicht zugetraut, eine ansehnliche und beständige Klappe selbst zu bauen.

Verschiedene eingeladene Schreiner hatten wirklich tolle Ideen, die aber alle außerhalb unseres gesetzten Budgets für eine Wäscheklappe lagen. (800 € und mehr je Klappe) Deshalb habe ich im Netz nochmal recherchiert.

Wir haben uns dann für die Wäscheklappen von Genial System entschieden. Die Klappen bekommt Ihr hier bei Amazon*.

Die Wäscheklappen sind mit knapp 300 € nicht ganz billig. Trotzdem weit unter dem Preis, was die Schreiner für Ihre Ideen wollten. Zudem: Als bspw. das Bad fertig gefliest war, ist uns bewusst geworden, wie wichtig eine „schöne“ Abwurfklappe ist. Der Preis war es uns daher wert.

Die Wäscheklappen sind weiß, aus MDF und schließen dank der Kugelschnapper ziemlich gut. Die Klappen passten problemlos in unser Rohr. Innen werden sie mit 3 Schrauben mit dem KG-Rohr verschraubt. Wir sind absolut glücklich mit der Entscheidung. Nachfolgend ein finales Bild.

Kosten für den Wäscheabwurfschacht

Für einen groben Überblick versuche ich die großen Kostentreiber bei unserem Wäscheabwurf zusammenzufassen. Ganz vollständig wird die Liste nicht sein.

  • KG-Rohre: 420,00 €
  • Wäscheklappen: 600,00 €
  • Bauschaum und Dämmwolle: ca. 100,00 €
  • Trockenbau: ca. 100,00 €
  • Weiteres Material: ca. 100,00 €

Insgesamt: ca. 1.320,00 €

Zusammenfassung: Unser Wäscheschacht

Die Arbeit hat sich gelohnt. Wir sind glücklich mit der Entscheidung, einen Wäscheabwurf in unser Haus zu integrieren. Auch sind wir zufrieden mit dem finalen Ergebnis.

Zu Beginn des Projekts hatte ich keinen blassen Schimmer, wie ich als Hobby-Heimwerker einen solchen Wäscheabwurf überhaupt umsetzen soll. Doch viel Recherche und viel Zeit haben sich wirklich gelohnt. Wenn man keine zwei linken Hände hat, ist ein solcher Bau auch nicht all zu kompliziert.

Was würde ich anders machen? Eigentlich nichts. Der Durchmesser von 300mm ist groß genug. Wenn es kostentechnisch Sinn macht (weiß ich nicht), dann wären meiner Meinung nach sogar 250mm absolut ok. Denn selbst wenn mal Wäsche hängen bleiben würde, kann man ja etwas hinterher schmeißen.

Ob ich es mit dem Schallschutz übertrieben habe? Auch das kann mir keiner beantworten. Letztendlich bin ich aber froh, dass ich mir beim Thema Schallschutz möglichst viel Mühe gegeben habe. Denn so weiß ich zumindest, dass ich mein Bestmögliches getan habe. Und nach 6 Monaten im Haus kann ich sagen: Wenn ich im Erdgeschoss auf dem Klo hocke, hört das keiner 😉

Hast du Fragen oder weitere Ideen? Hättest du etwas anders gemacht? Ich kann es bei mir zwar nicht mehr ändern, aber vielleicht hilft es anderen Lesern. Dann hinterlasse doch einen Kommentar.

Marko
Autor

Hallo, ich bin Marko. Beruflich im Marketing-Bereich tätig, privat mit großem Interesse an Technik, Web und Multimedia. Ich tüftle, bis ich eine Lösung gefunden habe. Seit 2013 teile ich diese Lösungen auf techify. Baujahr 1986, ursprünglich aus der Rheinnebene, heute zuhause im Raum Stuttgart. Du findest mich auch auf Twitter.

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